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"Der Russ im Bergell" - neues Desertina-Buch
 

Der Russ im Bergell - ein Fotograf wird mit einer Ausstellung und einem Buch gewürdigt.

Anton von Rydzewski war der erste Fotograf, der ab 1891 das Bergell mit seinen fotografischen Dokumentationen umfassend dargestellt hat. Als Alpinist und Fotograf hat er der Nachwelt eine Sammlung hinterlassen, die es in den verschiedenen Archiven erst zu entdecken galt. Ursula Bauer und Jürg Frischknecht haben diese Aufgabe auf sich genommen, das Resultat ihrer Recherchen ist eine Ausstellung und ein Buch, dessen Vernissage in der Kantonsbibliothek Graubünden erfolgte.

Im Bergell ist Anton von Rydzewski (1836-1913) als "Russ" und als "Baron" in Erinnerung. Geboren im russischen Gouvernement Warschau ging er im Baltikum zur Schule und war zaristischer Finanzbeamter in St. Petersburg. Dann lebte er mit seiner zweiten Frau als Privatus in Dresden. Mit 50 Jahren verfiel er den Bergen und mit 55 dem Bergell. Hier waren noch Erstbesteigungslorbeer und publizistische Meriten zu holen. Um seine "Campagnen" zu dokumentieren, lernte der Alpinist fotografieren. Rydzewski war eine schwierige und polarisierende Persönlichkeit. Die Sticheleien zwischen dem "Mehlsack" Rydzewski und seinem Führer Christian Klucker, dem "Feldmarschall", sind legendär. Mit den selbständigen Republikanern in den Alpen hatte der soldatisch erzogene Russe seine liebe Mühe. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert war Rydzewski alpinistisch wie gesellschaftlich ein Auslaufmodell - zugleich aber auch ein begeisterter und wirkungsvoller Propagandist des Bergells.

Bei der Arbeit am Wanderbuch "Grenzland Bergell" stiessen Ursula Bauer und Jürg Frischknecht auf über 400 Rydzewski-Fotografien: im Museum Alpin in Pontresina, im Museum für Kommunikation in Bern, im Bergell und schliesslich dank Zufall und Glück bei Nachfahren in Berlin. Einer dieser Nachfahren, Alexander Stillmark (Berlin) konnte anlässlich der Ausstellungseröffnung in der Kantonsbibliothek einiges aus der Familiengeschichte erzählen. Für ihn war Anton von Rydzewski, von dem er als Bub einiges hörte, fremdartig. Jetzt, im Zusammenhang mit der Ausstellung und den Fotos sei er ihm näher gekommen. Diese Ausstellung "Ein Russ im Bergell", die bereits in Maloja und Chiavenna zu sehen war, gibt einerseits Einblicke in das Leben des Fotografen und Alpinisten, es zeigt aber vor allem die Natur und die Menschen des Bergells Ende des 19. Jahrhunderts. Die Ausstellung in der Kantonsbibliothek ist bis zum 5. Juli zu sehen.

Rydzewski, der Fotograf
Der Russe Anton von Rydzewski kam 1891 nicht zum Fotografieren ins Bergell. Dass er ab 1894 dennoch mit der Kamera unterwegs ist, hat mit den Redaktionen der alpinen Zeitschriften zu tun, die nun zu einem Manuskript auch Fotografien wünschen. Aus dem anfänglichen Widerwillen der neuen Kunst gegenüber wird Begeisterung. Niemand vor ihm hat das Bergell so umfassend dokumentiert, von den Angestellten des Hotels in Promontogno über Hirten und Hütten bis zu den Gletscherschrunden und Eiscouloirs am Piz Badile. Nur ein Dutzend seiner Aufnahmen werden gedruckt. Ein reich bebildertes Bergellbuch, an dem Rydzewski lange arbeitet, bleibt ein unerfüllter Traum. 1908 vermacht Rydzewski seine 2000 Fotografien der SAC-Sektion Bregaglia. Im Bergell angekommen ist das Erbe jedoch nie. Auf verschlungenen Pfaden fanden immerhin 400 Aufnahmen ihren Weg in die Schweiz.

Rydzewski, der Alpinist
"Niedrige Gesinnung, Hass und Rachesucht" warf Bergführer Christian Klucker seinem Herrn Anton von Rydzewski vor. Der nationalsozialistische Alpinpublizist Walther Flaig vermisste beim "knauserigen und galligen" Russen die "Herrennatur im edelsten Sinn". Umgekehrt würdigte der Club Alpino Italiano den "illustren Alpinisten" und Hermann Tanner, Mitglied des SAC Bernina, sah in ihm "den wahren Pionier des damals fast unbekannten Bergells". Kein Zweifel - am "Russen" schieden und scheiden sich die Geister. Fest steht, dass Klucker und Rydzewski von 1891 bis 1900 reihenweise Erstbesteigungen realisierten - das russische Jahrzehnt in der Erschliessung des Bergells.
Rydzewski umschrieb seine Wahl einmal so: "Ich bin lieber in einem kleinen Dorf der erste, als in einer grossen Stadt der letzte. Ich schätze das stille Bergell höher ein als das grossartige Chamonix. Da sind mir meine einsamen Bergeller Berge, wenn sie auch nicht zu den Viertausendern gehören, doch lieber."

Im Verlag Desertina ist rechtzeitig ein Bildband mit über hundert Fotos erschienen. Das Buch "Ein Russ im Bergell. Anton von Rydzewski 1836-1913. Der erste Fotograf des Bergells" kostet Fr. 48.-.

Homepage Anton von Rydzewski


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