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Gautschen der Casanova-Lehrlinge
 

Zuerst auf den nassen Schwamm und dann ganz unter Wasser getaucht - Gautschen im Freibad Obere Au

Ihre Lehre bei der Casanova Druck und Verlag AG erfolgreich abgeschlossen haben Sarah Camenisch (Polygrafin) und Rafael Maissen (Drucktechnologe). Beide werden auch als ausgebildete Berufsleute weiterhin im neu erstellten Druck- und Verlagshaus an der Churer Rossbodenstrasse tätig sein. Rafael Maissen kann sich sogar darauf freuen, dass das Unternehmen am Tage der Gautschfeier eine neue Vierfarben-Druckmaschine bei der Heidelberg Schweiz AG bestellt hat, die auf Anfang des neuen Jahres installiert wird.
Nach Abschluss der Lehre werden die neuen Angehörigen der Schwarzen Zunft gegautscht. Das Gautschen fand am Freitag, 11. August 2006, auf dem Rossboden statt. Sarah Camenisch und Rafael Maissen wurden in einen Käfig gesperrt (es handelte sich um einen Paketkarren der Post) und in die Obere Au gefahren. Im Freibad gab es zuerst eine Zeremonie durch Gautschmeister Patrick Gimmi (Leiter Druckerei), bevor die beiden Gäutschlinge ins Tiefbad geworfen wurden.

Das Gautschen - ein alter Buchdruckerbrauch
Das Gautschen ist ein alter Buchdruckerbrauch, bei dem ein Lehrling nach bestandener Abschlussprüfung im Rahmen einer Freisprechungszeremonie in einer Bütte untergetaucht und/oder auf einen nassen Schwamm gesetzt wird.
Dazu eine Beschreibung aus dem 17. Jahrhundert: "Wolan es muss das groben Schwein/Mit sonderm Fleiss behobelt seyn/ Knecht/ Hilff mir lustig machen." Und nachdem bereits einiger Schabernack getrieben worden war: "Nun ist er heraus der böse Zahn/ Gib die Pommad' her mein Compan/ Den Bart ihn anzustreichen: Auf dass dem schönen Jungfern-Knecht Ein jeder mög' ansehen recht/ Die Hund' ihn auch beseichen".
Zu einem Gautschakt gehören neben dem Gäutschling (auch "Kornut" genannt) der Gautschmeister, der erste und zweite Packer so wie der Schwammhalter. Meist gibt es noch eine unterschiedliche Zahl an Zeugen oder mehrere Packer, die auch auf dem Gautschbrief ihre Anwesenheit durch Unterschrift bekunden. Nass geht es auch heute noch zu wenn gegautscht wird. Aber nicht nur der Täufling wird nass, sondern oft auch die Packer, Zuschauer und auch Ehrengäutschlinge, welche vorher nichts von ihrem "Glück" wissen.
Auf den Ruf des Gautschmeisters «Packt an!» wird der Gäutschling gefasst, in eine mit Wasser gefüllte Wanne oder, wenn man es weniger drastisch machen will, auf einen mit Wasser vollgetränkten Schwamm gesetzt. Bei manchen Druckereien wird zur Taufe auch ein in der Nähe des Betriebes liegender Brunnen herangezogen. Jedenfalls muss zumindest dafür gesorgt werden, dass das Hinterteil gehörig angefeuchtet wird. Da aber der Jünger sich oft tapfer wehrt, um sich schlägt und beisst, gelingt das Anpacken oft nicht immer auf den ersten Angriff. Je mehr er sich wehrt, desto mehr wird er auch noch von oben herab begossen, sodass der Jünger am ganzen Körper pudelnass wird. Gelegentlich wird das Gautschen auch als symbolische Massnahme betrachtet, um die schlechten Gewohnheiten aus der Lehrzeit abzuwaschen.
Während des Gautschens hält der Schwammhalter eine launige Ansprache an den Jünger und das umstehende Publikum. "PACKT AN! LASST SEINEN CORPUS POSTERIOR UMFALLEN AUF DIESEN NASSEN SCHWAMM / BIS TRIEFEN BEIDE BALLEN. DER DURSTGEN SEELE GEBT EIN STURTZBAD OBEN-DRAUF / DAS IST DEM SOHNE GUTENBERGS DIE BESTE TAUF"
In einem anderen Gautschbrief aus Bern um 1900 heisst es: "Den alten Kunstgebrauch zu ehren, Thät er sich weder sträuben noch wehren. Erhielt die üblichen drei Stösse auf den Arsch. Und zappelte dabei wie ein Barsch. Darauf bezahlte er blank und bar Das altbekannte Gautschhonorar."
(Angaben aus Wikipedia, Online Enzyklopädie)



Erst durch das Gautschen wird ein Drucker in den Berufsstand erhoben




Sarah Camenisch erhält die Weihe als Polygrafin



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